Minimalhaus Uckermark

Architektur, Innenarchitektur, Ausstattung

Fertigstellung 08/2017
BGF 77 m²

Wir lieben die Herausforderung, auf geringer Fläche viel Raum zu entwickeln. Wie klein ist groß genug? Für zwei? Für vier? Und für zwei Gäste? Für Wochenenden? Für Wochen? Für Monate? Für Jahre? Genügt im Winter weniger, wenn sich im Sommer der Innenraum erweitern und vergrößern lässt?

Eine Auseinandersetzung mit dem Archetypus einer Behausung: klein und abstrakt, aber der menschlichen Wahrnehmung folgend: archaischer Zugang über eine Brücke, weiter Blickwinkel, Schlafräume geschützt und erhöht, weites Schutzdach, gebaute Ruhe.

Der Grundriss ist hypotaktisch gegliedert. Zwei winzige Schlafräume, kaum größer als das Bett, je eines zum Morgen und Abend. Eine WC- und eine Duschbad-Miniatur teilen sich die Mitte auf der erhöhten Eingangsebene. Von hier führen breite Stufen hinab in den Wohnraum. Dem Verlauf der Sonne folgend ist der Raum in drei Richtungen verglast, vollkommen offen und doch beschützend durch die hohe Rückwand und ein weit auskragendes Dach.

Hintereinander gestaffelt zwei Sanitärräume von Tageslicht durchströmt, das WC direkt an der Außenwand, das Duschbad innenliegend daran anschließend durch eine transluzente Glaswand zum vorgelagerten WC. Die Raumabmessungen sind an den Leib geschneidert und doch großzügig durch die Trennung der Sanitärfunktionen.

Die Raumstruktur für die Handlungs- und Funktionsdichte ist kompakt und der Flächenbedarf für Konstruktionen, Leitungen, Querungen konzentriert; mit Bedacht jeden Zentimeter nutzen. Erst nach geduldiger Planung erscheint das Haus am Ende wieder klar und einfach.

Die geringe Nutzfläche von 60 Quadratmetern relativiert sich durch großflächige Verglasungen zur umlaufenden Terrasse sowie durch kleine, leichte Möbel und die Wandelbarkeit der Einbauten, die sich ebenso wie das Haus vergrößern und verkleinern lassen.

Die dreiseitige Glasfassade hat breite Schiebetüren, die im Sommer den Raum bis in die Natur hinaus aufweiten, die begrenzte Nutzfläche auflösen – Freiheit und Leichtigkeit prägen das Lebensgefühl.

Das Minimalhaus hat keinen Keller, dafür auf ganze Länge einen Höhenversatz, der unter sich und seinen Sitzstufen allerlei Stauraum bietet. Tiefe Schubkästen und ein drittes Doppelbett lassen sich darunter rollen, Vorräte können kühl gelagert werden. Die breite Treppe ist ausfahrbar, um weiteren Stauraum zu erreichen. Flache Einbauten über den Auszügen öffnen sich mit Klappen auf zwei Höhen als Tische, am Küchenblock als zusätzliche Arbeitsflächen. Betten und Beistellmöbel sind in einfachster Bauweise aus Dreischichtplatten gefertigt. Der Stauraum genügt dem Wichtigen, alles andere ist entbehrlich.

Das Haus ist gut gedämmt, die Glasfassade dreischichtig. Im Winter von der Sonne beheizt, genügt im Übrigen ein Kaminofen. Die unterseitig gedämmte Stahlbeton-Bodenplatte speichert Wärme oder Kühle. Im Sommer schützt die weit kragende Dachplatte vor zu viel Sonne. Besonderen Reiz bieten Außen- Vorhänge, die die gesamte Terrasse umhüllen können und den verschatteten Innenraum aufweiten.

Die Innenwandflächen der leichten Holzkonstruktion sind mit Lehm verputzt. Boden-, Wandflächen und Waschtisch im Duschbad aus rauem Muschelkalk.

Robiniendielen auf Terrassen, Böden und Treppen widerstehen mit Ihrer Dichte und Härte der starken Belastung, die die Durchlässigkeit zwischen Innen und Außen mit sich bringt. Schubkästen und freistehender Küchenblock sind aus demselben Holz. Die intensiven Rottöne der lebhaften Robinie bestimmen das Bild und werden durch Hellgrau, in den Schlafräumen durch den unbehandelten braunen Lehmfarbton ergänzt.

Kleinsthäuser bergen die Gefahr, Raumgrößen einfach nur nach unten zu skalieren. Es bedarf jedoch im Ausgleich intelligenter Ideen, Licht, Luft und Ausblick, multifunktionaler Ausstattungen und Wandelbarkeit, Details, die wir gerne benutzen, Materialien, die wir gerne berühren. Kleiner Raum muss sich in seinen Funktionen wie ein Bühnenbild ständig verformen lassen. Für den Erlebenden ist es ein ständiges sich Verhalten zum Raum.

 

MitarbeiterInnen
Oyudari Bulgan | Maelle Le Dantec | Ruth Walter

Architekturfotograf
Werner Huthmacher

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