Klopstockstrasse
Umbau einer Wohnung im Alvar Aalto – Bau
Klopstockstraße 30, 10557 Berlin
Eine Wohnung von heute in der Stadt von morgen
Für das Zentrum des Hansaviertels entwarf Alvar Aalto ein 8-geschossiges Wohnhaus.
Wir sanierten in 2006 eine der Wohnungen nach einem Eigentümerwechsel. Es galt, einen gestalterischen Weg zu entwickeln, der abseits gängiger Wohnungsbaustandards, unprätentiös und zeitgemäß auf Aaltos Gestaltung eingeht, ohne in einen Retro- Stil zu verfallen.
Das Hansaviertel ist ein denkmalgeschütztes Ensemble einschließlich Grünanlagen und Freiflächen am westlichen Rand des Berliner Tiergartens. Es wurde im Rahmen einer internationalen Bauausstellung – der INTERBAU BERLIN 57 – vor über 50 Jahren errichtet. Seitdem gedeiht in der damaligen „Stadt von Morgen“ der von den Landschaftsarchitekten Hermann Mattern und Hertha Hammerbacher gestaltete Außenraum. Je nach Wetterlage und Jahreszeit erzeugt er in den Wohnungen vielfältige Farb- und Lichtstimmungen. Besonders bei Aalto ist das harmonische Ineinandergreifen von städtebaulichem Ideal der durchgrünten Stadt und den funktionalen Wohnungsgrundrissen spürbar. Schlafzimmer, Küche und der zentrale, sogenannte „Allraum“ umfassen von drei Seiten eine zimmergroße Loggia, großzügig lenkt sie den Blick auf die Weite draußen. Diese Qualität haben wir erhalten und in ihrer Wirkung gesteigert.
Die weiße Außenhaut des Gebäudes zieht sich in die Loggia und wird im Innenraum fortgeführt. Bei bedecktem Himmel entfalten zarte Farbtöne an Wänden und Decke – die an sonnigen Tagen auf den ersten Blick weiß erscheinen – ihre Farbigkeit. In der Küche gelb, im Allraum rosa. Die kubischen Einbauten treten gestalterisch zurück, so dass die neuen Einbauten erst auf den zweiten Blick erkannt werden. Die Küchenzeile ist vollständig, inkl. Griffe aus fugenlos verarbeitetem Mineralwerkstoff gefertigt, sie wirkt damit monolitisch und abstrakt. Im Eingangsbereich, in der Küche und im Bad interpretiert geschliffener und versiegelter Estrich den gegossenen Terrazzo der 50er Jahre. Zusammen mit dem niveaugleich verlegten, sandfarbenen Linoleum nimmt der Estrich das feine Farbenspiel auf.
Im innen liegenden Bad wiederum wird der Ton des Linoleums durch farbgleiche Putzflächen und Fliesen aus unglasiertem Feinsteinzeug aufgenommen. Die Installationssockel für Waschbecken und WC haben wir getrennt, kubisch geformt und in Teilen als raumhohe Einbauschränke ausgebildet, die schlanken Nischen dazwischen erzeugen zusätzliche Raumtiefe. Kreisrund scheint das Licht durch den großen Spiegel einer Schranktür. Der Leuchtenkörper selbst bleibt verborgen, ebenso wie alle Badutensilien. Das kleine Bad erscheint dadurch größer.
Aalto, so steht es im damaligen Katalog der INTERBAU, habe besondere Sorgfalt auf die Ausstattung seiner Wohnungen gelegt und alle mit Einbauschränken versehen. Wir fahren damit in eigener Weise fort und folgen dabei unserem Gespür und dem der Bauherren für die vorhandene Substanz .
Oberhalb der vorhandenen Zimmertüren haben wir die Wände geöffnet und rahmenlose Verglasungen als Oberlichter eingesetzt. Die zeittypischen, kompakten Räumen wirken nun größer und der Allraum dank seitlichem Streulicht noch heller. Die gut erhaltenen originalen Einbauschränke behielten unverändert ihren Platz. Auch einige der Leuchten sind original, darunter eine, die der Bauherr zwischen dem entsorgten Hausrat eines Nachbarn fand.











